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Roger Cicero: Der Sänger mit Hut ist gestorben

Diese Nachricht hat heute die deutsche Musikwelt erschüttert, und nicht nur die: Roger Cicero ist tot. Der Jazz- und Swingsänger mit dem Markenzeichen Hut starb mit nur 45 Jahren an einem Schlaganfall. Und weil der immer gut gelaunte Musiker so plötzlich und viel zu früh gehen musste, hat mich die Nachricht von seinem Tod zum Nachdenken gebracht.

Es ist immer das Gleiche: Wir machen uns keine Gedanken, bis dann etwas Unvorhergesehenes passiert. Wer ist gestorben? Aber er war doch gar nicht krank?! Und erst 45 Jahre alt! Von jetzt auf gleich… Roger Cicero starb an Gründonnerstag, nach einem Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen, an sogenannten „neurologischen Symptomen“ in Folge eines Hirninfarkts, besser bekannt als Schlaganfall. Wie der Name schon sagt, ereignet sich ein Schlaganfall schlagartig – ohne große Ankündigung, von jetzt auf gleich. Nur wenige Prozent überleben einen solchen Hirnschlag. Diejenigen, die überleben, sind meist fürs Leben geschädigt.

Der Tod macht uns bewusst, dass wir leben

Und was macht so ein Schicksalsschlag mit uns? Mich persönlich überkommt jedes Mal sofort eine Gänsehaut, das war bei Guido Westerwelle vorletzte Woche so, das war heute bei Roger Cicero der Fall. Natürlich bin ich bei BUNTE.de direkt an der Quelle, muss auf solche traurigen Nachrichten schnell und vor allem professionell und trotzdem nicht herzlos reagieren – auch heute hieß es vor allem: funktionieren. Und trotzdem, sobald man etwas Zeit hat, sich in das Leben des Betroffenen hineinversetzt, in die Lage der Hinterbliebenen, packt einen selbst dieser Drang, mal einmal gescheit über sein eigenes Leben nachzudenken. Der Fall von Roger Cicero zeigt, wie schnell und unvorhersehbar es vorbei sein kann. Sollte uns zeigen, dass wir das Leben genießen sollten. Während Carpe Diem & Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter schon zu sehr zum Wandtattoo-Spruch verkommen und Life is short, buy the shoes zwar eine willkommene Ausrede, aber in diesem Falle pietätlos ist, kann man vielleicht ganz unphilosophisch festhalten: Wir sollten unser Leben genießen, mit allem was dazu gehört. Mit Sonne, Regen, Sonnenbrand. Gutem Essen, guten Gesprächen. Anderen und vor allem uns selbst Komplimente machen.

Gegen das Vergessen

Leider sind wir meistens nur einen halben Tag sprachlos und nachdenklich, bevor wir wieder zur Tagesordnung übergehen, uns über Kleinigkeiten ärgern (7 Minuten auf die U-Bahn warten! Der Kaffee kostet 4 Euro!) und dem Alltagstrott verfallen. Dabei ist das Leben viel zu schön und in manchen Fällen wirklich zu kurz. Auch in meinem Verwandtenkreis hat das Schicksal schon oft genug zugeschlagen: Hirnblutung, Krebs, Verkehrsunfall. Jedes Mal blieb ich wie in Watte gepackt voller Unglauben zurück. Leider muss ich zugeben, dass ich selbst es auch nicht so gut schaffe, aus solchen Schicksalsschlägen das Positive zu ziehen, nämlich wieder wach zu werden, bewusst durchs Leben zu gehen, einfach mal dankbar zu sein und die Konsum- und Lifestyle-Gesellschaft abzuschütteln. Roger Cicero, der Sänger mit Hut, hat mich mit seinem plötzlichen Tod heute mal wieder wachgerüttelt. Ich hoffe, es hält länger an. Heute Abend bin ich jedenfalls trotz Regen zwei Stationen eher ausgestiegen, um den Hund auszulüften. Wahrscheinlich auch mich selbst. Und es war echt schön. Was ist schon das bisschen Nässe.
Danke dafür.

Mehr zu Roger Cicero könnt ihr natürlich auf BUNTE.de lesen.

Credits: Pinterest

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