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Fifth Season: Oktoberfest Recap

Okay, ich bekenne mich schuldig: Hier ist es die letzten zwei Wochen wieder seeehr ruhig gewesen. Ich hatte allerdings einen guten Grund: Es war immerhin Wiesn. Die fünfte, heiß ersehnte Jahreszeit hier in München.

Manch einer mag den Kopf schütteln, ob des Hypes, der Preise, der Massen, der menschlichen Entgleisungen. Für mich hat das Oktoberfest etwas ganz besonderes an sich. Menschen aus aller Welt kommen zusammen, feiern zusammen. Engländer, Amis, Australier und Italiener (ebenso wie Norweger, Franzosen und sogenannte „Münchner“ vom Ammersee) stehen zusammen auf den Bänken und singen mit einem An Tagen wie diesen von den Toten Hosen. Weil zwar keiner den Text kennt, aber jeder mitsingen kann und will. Wo sonst gibt es das bitte, wenn nicht auf der Wiesn?

Hier kommt mein zwar im Wiesngrippe-Delirium geschriebenes Wiesn-Fazit, mit Hulapalu im Hinterkopf und ja, etwas Gänsehaut, weil es so schön war und noch so lange dauert bis zum nächsten Mal:

Meine persönliche Statistik

– Die Wiesn 2016 dauerte dieses Jahr 17 Tage, 9 von denen war ich dort
– Die Maß kostete dieses Jahr zwischen 10,60€ und 10,90€, ich habe bei ca. drei Maß pro Besuch ungefähr ein halbes Vermögen ausgegeben – but it was so worth it
– Dieses Jahr habe ich mehr gegessen als die letzten Jahre (man wird ja nicht jünger). Bei 3x Kaiserschmarrn im Schützenzelt, Schottenhamel und Weinzelt habe ich den Besten tatsächlich dort gegessen, wo es kein Bier zu trinken gibt
– Das teuerste Fahrgeschäft war tatsächlich das Riesenrad, das mit stolzen 7,50€ in die Kategorie „once in a lifetime / das können wir auch (für immer) abhaken“ fällt – der Ausblick über die Wiesn und München war dafür unbezahlbar
– Den schönsten Sonnenuntergang gab es (natürlich) auf der Wiesn, am 29. September, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

Meine schönsten Wiesn-Momente

– Die Vorfreude am 16.9. (bei 16 Grad und Dauerregen), wenn es endlich losgeht: Die Gänsehaut beim Countdown zum Anstich um 12 Uhr, wenn Zehntausende den Beginn der fünften Jahreszeit feiern (& diesmal durfte ich den Anstich in der ersten Reihe miterleben #frontrow #lovemyjob)
– Die Gänsehaut, die bei Angels ebenso wie bei Fürstenfeld aufkommt
– Von einem aus unerfindlichen Gründen englisch sprechenden Deutschen zum Tanz aufgefordert zu werden und sich von ihm zwischen den Bänken im Kreis wirbeln zu lassen
– tolle Abende mit Freunden zu verbringen, die einen schon so lange begleiten und die man viel zu selten sieht
– der Abend im Hacker, an dem die Welt bei uns am Tisch zusammen kam (erst Amis mit einem Italienerfreund, dann Aussies, dann Engländer & später sogar ein Paar aus meinem Heimatort – G-Town ist überall!)
– die Freude im Gesicht des italienischen Klomannes, nachdem ich „Wort gehalten habe“ und ihm Trinkgeld gab
– die heißersehnte Portion Pommes draußen nach einem langen Tag im Bierzelt

Meine liebe Michelle von IsarBierundSonne hat übrigens auch einen ganz einzigartigen Wiesn-Moment erlebt, bei dem ich schon nur vom Durchlesen Pipi in den Augen hatte – must read! #onlyatWiesn

Mein schlimmster Wiesn-Moment

Man könnte es ahnen: Es gab kaum schlimme Wiesn-Momente, immerhin gibt es immer irgendwo nette Mädels, die einem aus dem Nichts Komplimente machen und einen darauf hinweisen, dass man den Rock aus Versehen in der Unterhose eingeklemmt hat (was übrigens nicht mir passiert ist). Und trotzdem: am schlimmsten war wohl der Abend mit den Ammersee-Münchnern am Tisch, Typ Internatszöglinge, die Papis Biermarken vertrinken und den Sinn von Trinkgeld nicht verstanden haben (und alle 10 Minuten aufs Klo mussten). Aber wer schon „acht Maß“ getrunken hat, hat natürlich etwas Durchlauf.

Die Sache mit den Trachten

Ich wurde im Vorfeld schon oft genug danach gefragt, was ich von Trachtenhüten halte (das hat man davon, wenn man sich irgendwo „Expertin“ nennt). Und ich muss sagen: Es kommt auf den Hut und die Person an. Trachtenhüte sind wohl das eine Modell, bei dem ich nicht sagen kann, dass es jedem steht. Denn so ein Trachtenhut kommt mit einer gewissen Attitüde. Er wird entweder aus vollem Herzen getragen, weil der Träger die Tracht verstanden hat; oder er wird getragen, weil der Träger sich am Bahnhof noch schnell mit einem Dirndl ausgestattet hat und der Hut das authentische Outfit komplettieren soll.
Besonders beliebt bei Käferzelt-Besucherinnen und Z-Promis on the rise sind die Filzhüte in pink, lila und blau, bestückt mit Glitzersteinen und riesigen Pfauenfedern, die jedem in der Nähe durchs Gesicht wedeln. Die sind zwar meist stimmig zu den glitzernden Spitzengardinen die sie als Schürze um ihr teures Couture-Dirndl tragen, schießen aber für mich persönlich den Vogel ab, der schon vorher seine (künstlichen) Federn lassen musste.
Schön hingegen sind dezente Modelle in dunkelgrün und schwarz, die gekonnt zu traditionellen Dirndln getragen werden (also nicht den Blingbling-Faschingsdirndln oder den popokurzen Sailor-Moon-Kostümen). Sandra Ebert von Black Palms, waschechte Bayerin, weiß natürlich noch viel besser als ich, wie die Hüte zu tragen sind:

Grundsätzlich trägt man als Frau keinen Hut zum Dirndl. Wenn man aber trotzdem einen Hut tragen möchte, dann sollte dieser aber ein echter Trachtenhut sein und nicht einer aus billigen Filz mit einer unechten Feder. Der Hut ist immer aus echtem Haar. Je nach Region gibt es unterschiedliche Hutformen.
Es gibt z.b. um mal ein paar zu nennen, den Miesbacher und Schlierseer (niedrige mittelbreite Krempe, oben rund eingedrückt), Aschauer (hoch und schmale Krempe) oder Werdenfelser (eher breitkrempig mit 6er oben reingedreht). Den für mich beste Hutmacher ist der Hut Braun in Teisendorf. Hier werden die Hüte noch per Hand und je nach Wunsch angefertigt.
Kosten: ca. 130,00 – 200,00 € je nach Garnitur.

Wer meinen Instagram-Wiesnspam verfolgt hat, könnte fragen: „Und warum hast du keinen Hut getragen?“ Na ja. Meine Trachtenhüte und ich haben eine bewegte Vergangenheit. Denn ich gebe zu: Ich war nicht immer so ein riesiger Wiesn-Fan wie ich es mittlerweile bin. Meine erste Wiesn 2010 fiel genau mit meinem Umzug nach München zusammen, und die betrunkenen Trachtler und streng riechende Ubahn waren damals mehr als ein abschreckendes Beispiel. 2011 hatte ich dann ein (shame on me!) Landhaus-Dirndl, weil ich mich in den bunten C&A-Dirndln verkleidet fühlte (haha, good one!) und noch nicht wusste, wie mir die Wiesn gefallen würde. Für ein bisschen Farbe zum Kartoffelsack-Look kaufte ich mir einen roten Trachtenhut. Sagen wir so: Ich weiß nicht, was in retrospekt schlimmer war, der Hut oder das Dirndl. Während das Dirndl von mir selbst schnell verschmäht wurde, wurde der Hut harsch von meinem seit 25 Jahren in München lebenden und deshalb selbst als Experte ausgewiesenen Bruder kritisiert. Nie werde ich seine Worte vergessen, als ich ihm stolz von meinem Hut erzählte: „Du kannst doch so einen Hut nicht tragen, da sieht jeder gleich, dass du ein Saupreiß bist!“ Autsch. Den Hut trug ich 2011 trotzdem, 2012 kam ein Dirndl in Beerenfarbe, somit war der Hut Geschichte.
Dieses Jahr habe ich mir zwar ein neues Dirndl gekauft, zu dem auch der Hut wieder passen würde, aber sagen wir: ich bin rausgewachsen. Und mein echter Trachtenhut darf bis zum Winter auf seinen Einsatz warten. Trotzdem darf der rote Trachtenhut bei mir bleiben: als Erinnerung an meine Anfänge als Wahl-Münchner. Romantisch, was?
Übrigens, zu meinem Saupreiß-Dasein stehe ich seit 2012: Da ließ ich mir ein „Glupperl“ anfertigen, das mich als Nicht-Bayer labelled – natürlich mit Ludwig nebendran.

Zum Abschluss meines kleinen Recaps lass ich euch noch einen Ohrwurm da, den Wiesn-Hit 2016 (da gibt’s auch kaum Textschwierigkeiten). Pfiadi, Wiesn, schee wars! Bis zum nächsten Jahr!

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